Neues aus der Klinikseelsorge

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Was Deiner Seele GUT tut

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HOCHSENSIBEL – EIN INTERVIEW MIT PFARRER FRIEDEMANN SCHLEDE

Pfarrer Friedemann Schlede, hat lange als Pfarrer in Thüringen gearbeitet.

Jetzt im Ruhestand übernimmt er interimsweise Pfarrämter für die Evangelische Kirche in Deutschland. Aktuell ist er als Klinikpfarrer an der (ehemals deutschen) Hochgebirgsklinik im schweizerischen Davos eingesetzt. Dort gibt es u.a. eine neueingerichtete Station für Psychosomatik.

Ich spreche mit ihm über Hochsensibilität.

  • Wie macht sich Hochsensibilität bemerkbar?
  • Viele der Hochsensiblen spüren um ihre besondere Gabe, aber in der Regel passen sie sich dem Umfeld an und versuchen, sich die hochsensible Wahrnehmung nicht anmerken zu lassen. Dies wiederum kann zu einer Reihe von schwierigen Entwicklungen und Fehlhaltungen führen, entsprechend der Persönlichkeitsstruktur bilden sich unterschiedliche Symptome aus.
  • Die Symptome sind die Sprache des Körpers jene Schwierigkeit auszudrücken. Bisweilen kommt aus der Umwelt die Reaktion: „Nun hab Dich mal nicht so“ – das ist für Schlede eines der Signalwörter.
  • Hochsensible entwickeln bisweilen eine zweite, angepasste Persönlichkeitsstruktur – letztlich um Schmerzen und Ablehnung im Außen zu vermeiden. Im Inneren evoziert das häufig Ängste, die ihn blockieren. Die zweite Haut oder Maskerade setzt ihn unter Druck – und dieses „DU MUSST“ ist das Letzte, was er gebrauchen kann, was ihm gut tut. Oftmals kommt für ihn die Frage auf: Bin ich hier im richtigen Film?
  • Das Gespür der Hochsensiblen ist, so Schlede wichtig in unserer Leistungsgesellschaft. Der Heilungsweg geht über eine Stärkung des Selbst-Bewusst-Werdens und damit letztlich des Selbst-Bewusst-Seins.
  • Über Fragen an die Patienten arbeitet sich Schlede an das Thema Hochsensibilität heran. Für viele seiner Gesprächspartner ist es neu und augenöffnend, mit dem Thema Hochsensibilität selbst in Verbindung gebracht zu werden. Nachdem diese Möglichkeit im Raum steht, bittet der Seelsorger die Patienten nach dem Stichwort „hochsensibel“ im Internet zu recherchieren. Hier gibt es oft Checklisten und Ratschläge zur Selbstdiagnose. Schlede unterscheidet zwischen „Hochsensibel“ – als Wesensmerkmal – und „Übersensibel“, was deutlich eine meist negative Bewertung aus dem Umfeld impliziert.
  • Für viele ist der Hinweis über Hochsensibilität ein Augenöffner, teilweise auch eine Erklärung für eine längere Leidenszeit. Oft schließt sich die Frage an, warum einem das die Medizin nicht schon vorher gesagt habe. Allerdings, gibt Schlede zu bedenken, ist Hochsensibilität erst ein Thema der 2000er Jahre.
  • Der erste Schritt, der dann folgt ist oft „sich selbst verstehen“ und dann sich so anzunehmen wie sie sind und dann ihr Verhalten entlastend einzusetzen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren – Ressourcen, die zuvor aufgewendet worden sind den Vorwurf des „Sensibelchen“ abzuwehren.
  • Bisweilen ist die Hochsensibilität innerhalb der Familie vererbbar. Diese Erkenntnis hilft mit bislang angespannten Situationen besser umzugehen.
  • Hier kann Seelsorge gute Dienste leisten, wie Schlede in einem Beispiel aufzeigt.
  • Seelsorge kommt allerdings an ihre Grenzen, wenn sich schon „zu große Verknotungen“ gebildet haben. Um hier eine Entflechtung zu leisten oder zumindest zu unterstützen, ist es nötig, hier einen Punkt zu setzen und dem Patienten eine Therapie bei einer Psychotherapeutin anzuraten. Bei der Auswahl ist zu beachten, dass die Therapeutin mit dem Thema „Hochsensibilität“ Erfahrung hat.
  • Was hat sich bei Patienten verändert, bei denen vor längerer Zeit Hochsensibilität festgestellt worden ist und die Sie jetzt nach 1-2 Jahren wieder getroffen haben.
  • Oftmals liegt eine intensive Zeit dazwischen. In der Regel wird der Partner mit in die Entwicklung mit einbezogen. Lesen einschlägiger Literatur ist hilfreich und natürlich miteinander Reden. Vereinfacht gesagt, bedarf es einer „Gebrauchsanweisung“ für den hochsensiblen Partner – das erleichtert das Miteinander sehr. Das Ermöglicht das Verständnis füreinander anstatt die (unterschwelligen) Vorwürfe. Viele Betroffene machen eine deutliche allermeist positive Persönlichkeitsentwicklung durch.
  • Was bringen uns Hochsensible als Gesellschaft: Sie haben Sensoren, manche Entwicklungen früher wahrnehmen lassen, oder auch Engpässe durch ihre Sichtweise auflösen könenn.

Herzlichen Dank

© Stefanhund.com #Podcast-Pfarrer

 

 

Kontakt:

Pfarrer Friedemann Schlede

Friedemann.Schlede@hgk.ch

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Über diesen Podcast

Als evangelischer Klinikpfarrer (seit 2015) gehe ich in meinen Bereichen von Zimmer zu Zimmer, besuche Patienten und schenke ihnen Zeit und biete ihnen ein Gespräch zu ihrem Thema an.

Einige stehen der Kirche nah. Die meisten jedoch haben den Kontakt (komplett) verloren oder hatten in den letzten Jahren sehr wenig Berührungspunkte oder gehören anderen Religionen an. Und doch, hier ergeben sich regelmäßig gute, intensive und lange Gespräche. Bei manchen steht am Ende kein Punkt - sondern ein Doppelpunkt. 2016 fiel mir auf, dass gerade die weitergehenden Gespräche mit Menschen stattfanden, die bei meinem Eintritt ins Zimmer Podcast hörten.

Da ich selbst gerne Podcast höre, sie als "rollende Universität" nutze, kam mir die Idee im Rahmen eines kirchlichen Studienquartals bis Ende 2017 das Podcast-Handwerk von der Pike auf zu lernen und praktisch anzuwenden.

Aus jenen eher zufälligen Begegnungen auf den Stationen sowie aus den Einsätzen im Intensiv-Bereich - wenn es um Leben und Tod geht - entwickle ich Podcast-Folgen. Ebenso lade ich regelmäßig Gäste zum Gespräch ein.

Am Ende der Studienzeit waren es 27 Folgen, die 2.100x heruntergeladen worden sind.

Ich habe daher entschieden, diesen Podcast als Privatperson weiter zu führen. Inzwischen (Februar 2019) haben wir die 75. Folge veröffentlicht und mehr als 8.600 Downloads...

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Die Musik für diesen Podcast kommt von Stefan Mann, Kantor in Darmstadt-Eberstadt. Herzlichen Dank.

Wer selbst einen eigenen Podcast starten möchte, dem kann ich gerne aus eigener Anschauung die Podcast-Schule von Tom Kaules empfehlen:
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von und mit Stefan Hund

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